Autor: Katja

  • Figgo – Die Geschichte einer geretteten Palme….

    Es begann Anfang des Jahres 2026.
    Ich war eine große Yucca‑Palme mit mehreren Stämmen, stolz und kräftig – oder zumindest war ich es einmal gewesen. Doch meine Blätter waren vertrocknet, einer nach dem anderen. Wir alle – meine Stämme, meine Arme, mein ganzes Grün – trugen braune, abgestorbene Blätter. Unser Besitzer wollte sie nie entfernen. Er sagte immer: „In der Natur macht das auch keiner.“Mit der Zeit verlor ich fast alles.
    Am Ende hatte ich nur noch ein einziges grünes Blatt, und selbst dieses war noch nicht geöffnet. Ich sah nackt aus, verletzlich, fast ein wenig verloren. Und trotzdem warf mein Besitzer mich mit diesem einen letzten grünen Blatt weg.Ich lag im Müll, verletzt, aufgegeben, und hörte nur, wie er seiner Kollegin erzählte, dass ich keine Chance mehr hätte. Sie war traurig – und ich spürte, dass ich ihr nicht egal war.Ihr Chef kam nach draußen, sah die abgeschnittenen Stämme im Wasser und mich im Müll. Er hob mich heraus, stellte mich auf das Motorrad meines Besitzers, als wolle er sagen: „Schau hin, was du weggeworfen hast.“ Doch mein Besitzer warf mich ein zweites Mal weg.Und dann kam sie – die Frau, die mich schon einmal gerettet hatte.
    Sie nahm mich mit zu sich nach Hause, gab mir alle zwei Tage frisches Wasser und einen Platz am Küchenfenster. Dort, im warmen Licht, begann ich wieder zu leben. Am 8. Juli 2026 trieb ich neue kleine Blätter aus. Ich war stolz. Und sie war glücklich.Als meine neue Besitzerin mit ihrer Familie einen Urlaub plante – mit dem Wohnmobil an den Gardasee und weiter in die Toskana – beschloss sie kurzerhand, mich mitzunehmen. Ich war inzwischen gewachsen, und sie wollte mir die Welt zeigen.Vom 8. auf den 9. August 2026 standen wir am Gardasee. Ich schnupperte zum ersten mal Italienische Luft – warm, klar, lebendig. Am 9. August fuhren wir weiter nach Punta Ala in der Toskana. Die Luft dort war wie für mich gemacht: warm, feucht, tropisch. Ich fühlte mich, als wäre ich endlich an einem Ort angekommen, der mich verstand.Wir blieben ganze sechs Tage in der Toskana.
    Ich stand mitten im Pinienwald, leicht sonnig, aber dennoch im schützenden Schatten. Meine Pflegefamilie saß oft neben mir am Tisch. Am vierten Tag bekam ich ein neues Blatt – ein Zeichen, dass ich stark genug war, auch in Erde zu wachsen. Kurz vor dem Urlaub war ich nämlich aus meinem Wasserbad in einen Blumentopf umgezogen, und sie hatten sich Sorgen gemacht, ob ich es schaffen würde. Doch ich kämpfte. Und langsam sah ich wieder aus wie eine richtige Palme, nur eben noch etwas klein.Am 16. August fuhren wir zurück an den Gardasee, diesmal für zwei Tage.
    Meine Pflegemama stellte mich dort auf den Tisch, und ich sah den Himmel, die Berge – und zum ersten Mal spürte ich Regen auf meinen Blättern. Der Wind spielte mit mir, und ich fühlte mich frei.Während der Fahrt im Wohnmobil hatte ich immer meinen sicheren Platz im Waschbecken des Badezimmers. Dort konnte mir nichts passieren.Zuhause angekommen beschloss meine Pflegemama, mein Tagebuch zu veröffentlichen.
    Sie wollte zeigen, dass kaum etwas so kaputt ist, dass man es nicht reparieren kann. Dass es sich lohnt, Zeit, Mühe und Aufmerksamkeit zu schenken.Ich bin der Beweis dafür.
    Ich bin Figgo – die Palme, die zweimal weggeworfen wurde und trotzdem wieder gewachsen ist.Und jetzt bin ich wieder an dem Ort, wo alles begann….